Sprungziele
Seiteninhalt
17.10.2018

Pressemitteilung Breitbandausbau

Breitbandausbau rückt für kleine Dörfer in weite Ferne;

Telekom zieht Angebote zurück und baut nicht aus;

Kommunen müssen 1 Millionen Euro Fördermittel zurückgeben

Kreis Hildesheim, 8. Oktober 2018

Mit dieser Entwicklung konnten die Bürgermeister der Stadt Bockenem, der Gemeinden Freden, Lamspringe, Holle und der Samtgemeinde Leinebergland nun wirklich nicht rechnen.

Noch im Juli schien es so, dass nach einer langen Durststrecke auch in den letzten sogenannten "weißen Flecken" im Landkreis Hilesheim etwas passieren würde. Nach einem Schulterschluss des Landkreises Hildesheim mit den betreffenden Kommunen wurden die erforderlichen Verfahren eingeleitet und mit der Übergabe der Förderbescheide durch die Ladesbeauftragte Heike Flies vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser an die Bürgermeister im Juli 2018 sollten nun auch die kleinen Ortschaften wie Wohlenhausen, Ammenhausen, Deilmissen, Dötzum, Westerberg, Schildhorst und Henneckenrode mit schnellen Internet-Zugängen versorgt werden. Gerade die mit öffentlichen Mitteln ausgestatteten Förderprogramme schließen die Wirtschaftlichkeitslücken der Unternehmen und bieten kleineren Orten eine Chance, beim Breitbandausbau nicht abgehängt zu werden. Zudem hatte die Telekom Deutschland nach Prüfung der Wirtschaftlichkeit für alle Ortschaften Angebote abgegeben.

Ungläubige Verwunderung und große Enttäuschung dann am 19. September. Den Bürgermeistern wurde von der Telekom schriftlich mitgeteilt, dass man sich am aktuellen Marktgeschehen orientiere und Investitionen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten plane. Wörtlich: "Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir Ihnen unter den aktuellen Gegebenheiten leider kein Angebot zum Breitband-Ausbau unterbreiten können." Im Klartext: es findet kein Breitband-Ausbau statt.

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen hatten auf die Telekom vertraut und sind nun verärgert, dass die Telekom quasi auf der Zielgeraden aus dem Rennen geht und ihr Angebot zurückzieht. "Obwohl die flächendeckende Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellen Internet-Zugängen bei jeder Gelegenheit mit großen Worten bedacht wird", sagt Rainer Mertens, Bürgermeister der Samtgemeinde Leinebergland, "werden die kleinen Dörfer immer weiter abgehängt und es passiert einfach zu wenig." Rainer Block, Bürgermeister der Stadt Bockenem, bekräftigt Mertens Worte. "Diese Entscheidung ist für über 600 enttäuschte Menschen und viele kleinere Betriebe, die immer weiter ins Hintertreffen geraten, eine Katastrophe."

Die Hoffnung hat er jedoch noch nicht aufgegeben. "Unsere Landesregierung hat den Masterplan zur Digitalisierung vorgestellt", meint Block. "Sie nimmt über 1 Mrd. Euro in den nächsten Jahren in die Hand und hat das ehrgeizige Ziel, bis 2025 alle Haushalte mit gigabitfähigen Anschlüssen zu versorgen." In Richtung Landesregierung gewandt sagte er: "Die aktuellen Förderinstrumente scheinen bei den letzten weißen Flecken nicht mehr zu greifen. Stellt man mir die im Förderbescheid zugesagten Finanzmittel unbürokratisch zur Verfügung, realisiere ich das Projekt zusammen mit den Bürgern aus Ammenhausen und Wohlenhausen. Wir packen alle mit an."

Es bleibt festzuhalten, dass Teilen der ländlichen Bevölkerung schnelles Internet als Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe versagt wird. Es geht hierbei auch nicht um eine Verbesserung einer langsamen Internet-Anbindung. In den betroffenen Dörfern besteht oftmals noch nicht einmals die Möglichkeit, über das Festnetz eine Onlineanbindung herzustellen.

Sollte sich nun in den kommenden Wochen nicht doch noch alternative Möglichkeiten ergeben, werden die Bürgermeister der betroffenen Kommunen schweren Herzen Zuwendungsbescheide zur Förderung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum in Höhe von ca. 1 Millionen Euro zuückgeben müssen.

Seite zurück Nach oben